Fandom

Coman Wiki

Sonnenverehrung, Sonnenkult

749pages on
this wiki
Add New Page
Talk0 Share

Ad blocker interference detected!


Wikia is a free-to-use site that makes money from advertising. We have a modified experience for viewers using ad blockers

Wikia is not accessible if you’ve made further modifications. Remove the custom ad blocker rule(s) and the page will load as expected.

Sonnenverehrung, Sonnenkult


Die Sonne hatte bei den Altägyptern „nur“ den Rang eines allmächtigen Gottes. Gleichwohl dürften aufmerksamen Wüstenbewohnern nicht entgangen sein, dass dann und wann einmal bei niedrigem Sonnenstand Flecken mit bloßem Auge sichtbar waren, möglicher Weise wurde diese Beobachtung als Fehler abgetan oder unterdrückt, da ja das Antlitz des höchsten Gottes vollkommen sein musste und ein Gott mit Flecken war alles andere als vollwertig. Das ist vermutlich der Hauptgrund, weshalb sich in alten Inschriften, Hieroglyphen oder auf Papyrii keinerlei Hinweise auf Fleckenbeobachtungen finden lassen.

Die ersten Ansätze für eine tiefer gehende kultische Sonnenverehrung lassen sich in der 3. Dynastie (ca. 2600-2570 v. u. Z.) finden. Zentrum war die Hauptstadt des 13. unterägyptischen Gaues: On oder Heliopolis am Beginn des Nildeltas gelegen. Dieser Ort wurde zu einem der bedeutendsten Kultstätten des ganzen Reiches. Gleich unter mehreren Namen verehrte man hier die Sonne: Atum, Chepri und Re-Harachte. Es soll hier einst eine Nachbildung des Hügel aus Sand gegeben haben, über dem die Sonne nach einer der Götterlehren zum ersten Mal aufgestiegen war sowie unzählige Obelisken mit zahlreichen, dem Sonnengott huldigenden Gravuren.

Da der Sonnengott als der mächstigsten im alten Ägypten galt, wählten ihn die Könige des spätestens des Mittleren Reiches durch Ergänzung ihres Eigennamens in der Verbindung mit Amun oder Re zu ihren Schutzgott. Mit dem Bau der Cheops-Pyramide und der damit verbundene Bau der großen Sphinx, das aus einem einzigen Felsen gehauene Bild des Sonnengottes in Gestalt eines liegenden Löwen mit dem menschlichen Kopf des Königs begann in der 4. Dynastie (ca. 2570 – 2450 v. u. Z.) die Hauptphase der Sonnenreligion. Schon in der 3. Dynastie war er immer stärker geworden und nun verdrängte der Sonnengott Re den Falkengott Horus in der Staatsreligion. Mit Userkaf kam zu Beginn der 5. Dynastie (2450 bis 2300 v.u.Z.) zum ersten Mal ein besonders eng mit dem Sonnengott verbundenes Königshaus auf dem ägyptischen Thron. Mit einer Unterbrechung durch Amenophis IV. oder Echnaton, der mit der Vielgötterreligion brach und an seine Stelle die Sonnenscheibe Aton setzte und damit eine Revolution sondergleichen auslöste, die ihn schlussendlich dann auch wieder stürzte, war der Sonnenkult bis in die ägyptische Spätzeit hinein der beherrschende Staatskult, der freilich durch verschiedene, vornehmlich von außen kommende Einflüsse, sich im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr wandelte, besonders in den so genannten Zwischenzeiten, die von der Priesterschaft als schwere Prüfung für ihren Glauben angesehen wurden.

Hauptmerkmal dieser Zwischenzeiten war, dass in dieser Phase die Reichseinigung verloren ging, mal durch der Zerfall der staatlichen Ordnung und der Ausrufung kleiner Fürstentümer (2154-1991 v. u. Z.), mal durch den Einfall der Hyksos (1650-1550 v. u. Z.). Nach dieser Phase kam es jeweils zu Erneuerungen des Reichseinheit und einer Erneuerung des Glaubens.

Verschiedene Sonnengötter

Die Hauptgötter Ägyptens waren Amun und Re. Re ist das ägyptische Wort für Sonne in seiner koptischen Form, die auch die Griechen mit der Nebenform „Ra“ übernahmen.

Für den ehrfurchtsvoll zum Himmel schauenden Ägypter war das Gewaltigste dort die Sonne, dessen Hitze Schrecken, aber auch Segen hervorbringen konnte, weshalb sie in der Gedankenwelt der Nilbewohner fester verankert war, als in andere Kulturkreisen.

So trat sie denn auch in den verschiedensten Formen hervor: Teils wurde sie als Auge des Himmelsherrn angesehen (Sonnenauge), teils als selbständiger Weltkörper. So gab es die Vorstellung, dass die Sonne eine Linsen förmige Scheibe war, die eine leichte Abplattung aufwies war (ähnlich einem Rotationsellipsoid). Wahrscheinlich fand hier die auch in Wüstengebieten nicht unübliche Beobachtung, dass die Sonne bei horizontnaher Stellung durch die Refraktion der Erdatmosphäre gestaucht erscheint, Eingang in die Religion.

Andere meinten, die Sonne sei eine rote, glühende Scheibe, die ein einem großen Schiff, der Sonnenbarke, den Himmel befuhr. Sie spiegelte aber auch den Lebenszyklus eines Ägypters, komprimiert auf die Länge eines Tages wieder: Die Sonne wurde als Kind am Morgen geboren (Chepre), war am Mittag im besten Mannesalter (Re) und starb dann am Abend als Greis (Atum). Diese Vorstellung vom täglichen Lebend er Sonne wurde im ptolemäisch-römisch Zeitalter dann dahingehend modifiziert, dass sie für jede einzelne Stunde, wo sie am Tage sichtbar war, eine andere Gestalt annahm, vom Kind über den Mann mit Widder- und Falkenkopf bis hin zum Greis in Affen- Löwen-, aber auch wieder Widder- und Falkenform.

Die bedeutendste Vorstellung über die Sonne war jedoch folgende: Sie wurde mit dem Falkengott Horus gleichgesetzt, der als höchster Himmelsgott über den Lauf der Sonne wachte, die wiederum einmal von einem Skarabäus, einem Mistkäfer, über den Himmel geschoben wurde und dabei vom Horus quasi überwacht wurde. Eine leicht andere Ausprägung dieser Idee besagte, dass der Sonnengott in einem gewaltigen Sonnenschiff, der sog. Sonnenbarke über den Himmel fuhr und während der Nachstunden über den Fluss der Unterwelt fahren musste, um sich zu erneuern.

Die Vorstellungen waren vielschichtig, wie alle religiösen Formen im alten Ägypten und oft genug gab es feine Nuancen zwischen ihnen, abhängig von den jeweiligen Lokalgöttern.

Sonnenheiligtümer

Kultstätten der Sonnengötter waren die Sonnenheiligtümer, die, im Gegensatz zu anderen religiösen Zentren des Landes eine völlig andersartige, nämlich offene Bauweise aufwiesen. Sie stellen den irdischen Wohnsitz der Sonnengötter dar, und ließen dies durch großzügig gestaltete Innenhöfe und Kultanlagen überdeutlich erkennen. Eine der bekanntesten Bauwerke dieser Art befand sich in On oder Heliopolis. Hiervon ist heute jedoch kaum mehr etwas vorhanden. Alle Tempelanlagen, Stelen, Denkmäler und sonstigen Gebäude wurden seit der hellenistischen Epoche geschliffen, abgetragen als Steinbrüche und für neue Bauten in Arabien verwendet.

Neben diesem Hauptsonnenheiligtum gab es noch eine ganze Reihe weiterer Nebenheiligtümer, die aber nie die Bedeutung der Anlagen in Heliopolis erreichen sollten.

Nach der Sonne orientiert

scheinen auf den ersten Blick viele Gebäude und Tempel. Wie unterschiedlich hierüber jedoch die Auffassungen selbst fachkundiger Ägyptologen sein können demonstriert folgendes Beispiel: So meinte 1894 Sir Norman Lockyer den Beweis für eine Ausrichtung bestimmter religiöser Bauwerke auf die Richtung der Sonnenwende gefunden zu haben. Danach waren diese Einrichtungen mal nach dem Ort der Wintersonnenwende, andere wiederum nach der Sommersonnenwende ausgerichtet. Drei der von Lockyer untersuchten Tempel standen in Karnak, von denen zwei Amun-Re gewidmet und nach dem Ort des Unterganges zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende ausgerichtet sein sollten. Der dritte Tempel wiederum war demnach zum Ort des Unterganges zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende orientiert. Schon 1973 hielt Gerald Hawkins dem entgegen, dass auch die beiden erstgenannten Tempel zur Wintersonnenwende hin ausgerichtet seien und führte als Beweis Luftmesskarten an, anhand derer er errechnete, dass zur Wintersonnenwende des Jahres 1480 v. u. Z. die Sonne in das Innere der Anlage hineinschien, mit einer Abweichung von lediglich +/- 0,2°. Inwieweit hierbei allerdings die Präzessionsbewegung der Erdachse berücksichtig worden ist, darüber schweigen sich die Quellen indes aus. Ein Hinweis jedoch ist bedeutsam: Viele Bauwerke wurden zum Nil hin ausgerichtet, was insofern Sinn macht, als dass der Fluss die Hauptlebensader des Landes darstellte und auch Mittelpunkt des Weltbildes der alten Ägypter war, weswegen eine Orientierung sowohl nach dem Nil als auch zu den Sonnenwendpunkten hin möglich ist.

Also on Fandom

Random Wiki