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Der Tierkreis von Dendera

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Der Tierkreis von Dendera


Ungeachtet dessen darf als gesichert gelten, dass es in den Tempeln ägyptische Priester gab, die der Sternenkunde mächtig waren, sich mehr oder minder gut am Sternenhimmel auskannten. Skulpturen, Stelen und Wandmalereien in Tempeln, an den Decken von Gräbern und schließlich das Kalendersystem lassen auf gewisse Kenntnisse schließen.

Sie teilten den Himmel in 36 Dekangestirne auf zu jeweils 10°, wobei ein Dekan (abgeleitet aus dem Griechischen Deka – zehn) ein Sternbild bzw. ein Teil davon umfassen konnte. Sie waren eher Sternfelder, bei deren Aufgang man in der Nacht zu allen Jahreszeiten die Zahl der vergangenen Stunden bestimmen konnte. Freilich war die Länge der Stunden der jeweiligen Jahreszeit angepasst, so dass in der Nacht immer die gleiche Anzahl an Stunden verging, die dann im Sommer kürzer und im Winter länger waren. Hintergrund ist, dass man die Tageslänge zu 24 Stunden in zwei gleich lange Teile zu je 12 Stunden für die Nacht und für den Tag aufteilte.

Für die Überwachung der in der Nacht vergehenden Zeit saßen so genannte Dekanbeobachter an herausragenden Orten und beobachteten einen Sternhimmel, wie ihn nur Wüstenbewohner kennen, mit kristallklaren, trockenen Nächten.

Die Dekangestirne wurden später teilweise von den Griechen übernommen und in ihre Tierkreis- oder Ekliptiksternbilder integriert und wurden auch bis zu einem gewissen Grad Bestandteil der griechischen Astrologie.

Eine sehr schöne Darstellung des in Dekanen aufgeteilten Himmels befindet sich im Vorraum zum Hathor-Tempel in Dendera, etwa 60 km nördlich von Kairo am Rande der Wüste gelegen. Diese auch als Tierkreis von Dendera bekannte Inschrift unter dem Dach eines Tempels wurde 1837 bei der Expedition Napoleons nach Ägypten entdeckt, abgebaut und nach Frankreich verschifft. Dort stürzten sich die Wissenschaftler förmlich auf das nur 1,5m durchmessende Teil, untersuchten es und stellten zunächst sehr widersprüchliche Theorien über sein Alter an. Anhand einiger Positionen der Sternbilder zueinander meinten einige, die Abbildung seit um 4000 v.u.Z. entstanden, andere meinten Vergleiche mit Sternkarten von Eudoxus ziehen zu können und datierten es auf 1300 v.u.Z. Der bekannte französische Übersetzer der Schriften des Ptolemäus ins Französische, Abbé Halma, meinte gar, der Tierkreis stammte aus der Zeit um 364 v.u.Z und führte als Beweis die Erwähnung von Mond- und Sonnenfinsternissen aus dieser Dekade an, die er aus den Zeichen und Bildern herauszulesen glaubte.

Der Tierkreis enthält nicht nur eine bildliche Illustration der Dekane, sondern auch der in römischer Zeit im Gebrauch befindlichen Sternbilder wie Widder, Stier, Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion. Teile bekannter Sternbilder waren zu anderen Konfigurationen geordnet oder erhielten einfach nur andere Namen: So wurde aus einem Teil des Drachens das Nilpferd, der Große Bär zum Stierschenkel, die Fische wie der Wassermann zweigeteilt, der Schlangenträger wurde zum Bogenschützen in Zentaurengestalt, der Steinbock zum im Orient weit verbreiteten Ziegenfisch, die Jungfrau zur Frau, die eine Weizenähre trägt und der Krebs zum Skarabäus, einem Käfer.

Weitere Symbole im Tierkreis werden als Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) bzw. als Vollmond gedeutet. Manch andere allerdings sind mehr als umstritten und gelten auch eher als Spekulation, die in der Ägyptologie ohnehin weit verbreitet ist, weil die weitschweifigen Darstellungen der Ägypter eindeutige Zuordnungen und Beweise nicht zulassen. Einer These zufolge, gibt ein in der Brust des Nilpferdes zu erkennendes Zeichen die Position des ekliptikalen Nordpols zu jener Zeit an. Zusammen mit anderen Punkten am Rande des Tierkreises sollen die Äquinoktialpunkte und Solstitien und sogar deren Bewegungen aufgrund der Präzession verborgen sein. Dass die alten Ägypter zwar die Auf- und Untergangspunkte zu verschiedenen Jahreszeiten beobachtet und moglicher Weise auch aufgezeichnet haben, mag ja noch angehen, dass sie aber Kenntnis von der Präzession der Erdachse gehabt haben sollen, darf als eher unwahrscheinlich gelten., zumal die zugrunde liegenden mathematischen Fähigkeiten nicht vorhanden waren.

Allerdings haben archäologische Untersuchungen gezeigt, dass die Sternbildfiguren keineswegs ägyptischen Ursprungs waren, sondern auf Einflüsse der Babylonier zurückzuführen waren. Die Sternbilder wurden lediglich der ägyptischen Vorstellungswelt angepasst. Und die im Kreis enthaltenen Tierkreis- oder Ekliptiksternbilder sind wohl eher ein adaptiertes Erzeugnis, ebenfalls aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris.

Möglicher Weise entstand der Tierkreis von Dendera auch gar nicht in Ägypten, sondern wurde quasi importiert, vielleicht aus Mesopotamien, und beim Bau des Hathor-Tempels verwendet. Man hat den Tempel und seine Inneneinrichtungen auf das Jahr 30 v.u.Z. zurück datiert. Der britische Astronom Sir Norman Lockyer meinte gar, der Tempel selbst stünde auf einer Isis-Kultstätte und wurde später aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen überbaut. Demnach wäre er etwa im Jahr 700 v. u. Z. entstanden. Er hatte eines der Bilder dahingehend interpretiert, dass ein Falke, der auf einer Stange aus Papyrus sitzt, Sirius darstellte. Wie sich dann zeigen sollte, war das eine Fehlinterpretation. Der Versuch Lockyers, seine These durch die Berechnung der Ausrichtung de Hathor-Tempels auf einen Stern, zu retten, scheiterte kläglich, so dass seinen Überlegungen heutzutage eher mit großer Skepsis begegnet wird.

Auch hat sich die Bedeutung der Dekane im Laufe der Zeit stark gewandelt von einer Möglichkeit, die Zeit bei Nacht zu bestimmen, bis hin zu astrologischen Sichtweisen, wobei jeweils drei Dekane ein Tierkreiszeichen bildeten und über das Schicksal der Menschen bestimmten.

Doch nicht nur die Bedeutung der Dekane war einem Wandel unterworfen, auch das Prinzip der Zeitmessung mit ihnen wurde nicht immer beibehalten. Aus den Gräbern Ramses VI, VII und IX aus dem 12. vorchristlichen Jahrhundert sind Bilder bekannt, die 24 sitzende Männer zeigen. Zusammen mit den neben ihnen gezeichneten Sternen kann man sich die Stundenzählung per Nacht etwas so vorstellen: Die Männer, zumeist wohl Priesterastronomen oder ihre Helfer, mussten bestimmte Positionen einnehmen, so dass man die Zeit ablesen konnte, wenn ein Stern in bestimmter Position zu seinem Körper stand. Wie unsicher diese Methode war, kann sich jeder denken.

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